„So viel` Menschen geh’n vorüber, jeden Tag an dir vorüber, doch einer bleibt steh’n, den du nie geseh’n…“(ALEXANDRA)
Sie kennen diesen Blick, der im Vorübergehen 2 Menschen gleichermaßen zu blenden scheint und auf lange Sicht Geschichte schreibt? Drehen auch Sie sich nicht um? Der Blick bleibt hängen und wird Sie verfolgen. Und Sie finden keinen Schlaf, weil die Frage Sie quält: warum blieb es wieder nur bei diesem Blick?
Ich kenne diese Augenblicke, nach welchen ich mich umdrehen, die Spur des anderen verfolgen möchte. Doch es mangelt an Courage, an Zeit. Dem anderen auch? Was hielt ihn davon ab, sich umzudrehen nach mir, mich anzusprechen? Unsere Augen waren wie Magnete, die für Sekunden ineinander abtauchten, bevor Sie wieder auftauchten, um sich für immer - aus den Augen - zu verlieren.
Im Café beobachte ich eine alte Dame. Ihre faltige Gesichtslandschaft spricht für Weisheit und Leben. Sie entdeckt mich, lächelt herüber. Ich kann den Blick nicht von ihr wenden. Da sind sie wieder, diese Blicke wie Magnete. Doch wieder fehlt der Mut, anzusprechen. In Gedanken gehe ich zu ihr, besetze den freien Platz neben ihr und höre ihre Geschichten. Die Praxis sieht anders aus. Als sie geht, winkt sie mir noch zu. Meine Antwort ist ein Lächeln. Diese stille Kommunikation hinterlässt Spuren, wirft die alte Frage auf. Sie war schön, denke ich und sehe eine junge Frau ihren Platz einnehmen. Faltenlos, geschminkt, gestylt, aufdringlich in ihrer Körpersprache. Sie mag attraktiv sein, schön ist sie nicht. Schönheit kommt von innen, strahlt nach außen. Schönheit ist Perfektion in der Ausstrahlung, nicht Perfektion im Aussehen. Ob sie empfänglich ist für Blicke, die ich meine?
Es gibt Begegnungen, die enden nach einem Blick – vielleicht nach einem Gespräch. Aber etwas haben sie uns gezeigt. Es bedarf nicht viel, berührt zu werden. Und manche Berührung hält ein Leben lang, entschieden in nur einem einzigen Augenblick.
Die alte Dame im Café berührte mich und erinnerte mich an eine Frau, dessen Foto ich aus einem Magazin riss. Eines Tages wollte ich ihr schreiben. Nach zwei Jahren schickte ich den Brief endlich ab. Doch die Dame war längst verstorben! Ich erfuhr, dass sie einsam starb. Die Zeit läuft nicht rückwärts! Und doch habe ich es bis heute nicht geschafft. Ist es fehlender Mut? Angst vor Ablehnung? Würde das Danach mit der Einmaligkeit des Augenblicks kollidieren?
Singles suchen und (nicht)finden sich auf Flirtbörsen. Hier braucht es keinen Mut, sich anzusprechen. Hier sucht man sich ein Date wie im Versandhauskatalog. Doch im realen Leben, wenn wieder jemand sekundenlang in der Tiefe deiner Augen verschwindet, wird dich der virtuelle Mut verlassen haben.
Ich will nicht weiterziehen, wenn mich Faszination streift. Weil immer auch aus einem Blick eine große Geschichte werden kann.
Ein Nein hat man. Ein Ja kann man bekommen!

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